Entwicklungsgeschichte der Glocke und Geschichte der Kirchenglocken auf den Härten

Glocke aus dem 15. Jh
Glocke aus dem 15. Jh

Ein Beitrag von Christoph Schapka

Bevor ich auf die Geschichte der Kirchen und der Kirchenglocken auf den Härten näher eingehe, möchte ich Ihnen zunächst einen kurzen Überblick über die Geschichte der Glocke im Allgemeinen geben. Die Glocke ist nie “erfunden” worden, sie hat vielmehr eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich, über die wir nur sehr mangel- und lückenhaft unterrichtet sind. Auf jeden Fall zählt sie zu den ältesten Musikinstrumenten überhaupt. Ihr Geburtsland ist Asien, und zwar China, wo schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Glocken aus Bronze gegossen wurden. Zu liturgischen Zwecken wurden schon damals ganze “Glockenspiele” und Einzelglocken verwendet, die in großer Zahl ausgegraben worden sind. Von China aus gelangte die Glocke über die Handelswege und die Völkerwanderung nach dem Westen. Ihre kleinste Form, die Schelle, war schon bei den Römern zu jeder Gelegenheit in Gebrauch: in Bädern, Verkaufsläden, als Warnzeichen bei Last- und Zugtieren und als letzte Grabbeigabe an die Toten.Es ist interessant zu beobachten, dass die Glocke von den frühen christlichen Gemeinden des 1. bis 3. Jahrhunderts als heidnisch abgelehnt wurde. Wann genau zum ersten Mal Kirchenglocken ihren Dienst im Kloster oder in einer Gemeinde gaben, ist nicht bekannt. Seit dem Mailänder Toleranzedikt von 313 werden Glocken als Läuteinstrumente erwähnt (z.B. Benedikt von Nursia um 540). Der Reichenauer Abt Walafried Strabo berichtet um das Jahr 840 erstmals über den zeitgleichen Gebrauch von gegossenen und geschmiedeten Glocken. Schon seit dem 7. Jahrhundert erfolgte, parallel zu den gegossenen Glocken, mit der Iren-Mission auch die Einführung aus Eisenblech geschmiedeter Glocken. Aus dieser Frühzeit stammt die Gallusglocke vom Kloster St.Gallen und der Saufang von Köln. Die Frühform dieser ersten Glocken ist naturgemäß einfach und roh. Die ersten gegossenen Glocken Europas wurden in Bienenkorbform, so genannt weil die äußere Form der eines Bienenkorbs ähnelt, gegossen. Im Herrenberger Glockenmuseum, das Glocken aus 8 Jahrhunderten beherbergt, können wir eine Bienenkorbglocke, allerdings einen Nachguß, hören.

Das Original stammt aus der Gemeinde Aschara in Thüringen und wird datiert auf ca. 1140. Ein spätes Exemplar (Ende 12. Jahrhundert) ist in der Wallfahrtskirche von Boll-Mariazell (bei Hechingen) erhalten, wovon ich leider keine Aufnahme besitze.

Nun, der herbe, fast dämonische Klang dieser Glocken war spätestens seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts den Ansprüchen der Kirchengemeinden nicht mehr gewachsen. Schon im 12. Jahrhundert gab es erste Versuche, dem Glockenklang eine freundlichere Färbung zu geben. Das hängt vor allem mit der im Vergleich zur Antike und zum Frühmittelalter völlig veränderten Lebenseinstellung der Menschen zusammen.

Als das Jahr 1000 näher rückte stand die Stimmung in Europa auf einem absoluten Tiefpunkt, die Furcht vor dem Weltuntergang und dem Endgericht hielt die Menschen völlig in ihrem Bann. Erst seit dem 11. Jahrhundert begann man sich von dieser Vorstellung zu lösen. Vor allem an den Fürstenhöfen und den Kaiserpfalzen setzte sich seit dem Machtantritt der Staufer eine zunehmend diesseitsbezogenere Lebensweise durch. Am Hof Friedrich Barbarossas und v.a. Friedrichs II. wurden rauschende Feste gefeiert, es gab die Minnesänger und die Troubadoure. Diese Veränderungen in der Lebensweise der Menschen hatten auch auf die Musik und nicht zuletzt auch auf die Glocke ihre Auswirkung. Mit der Herstellung und der Weiterentwicklung der Glocke beschäftigten sich zuerst die Mönche. Das Ringen vom 12. bis 13. Jahrhundert um die akustisch beste Form brachte manche Typen hervor. Die Zuckerhutform gehört klanglich zu den besten einer Reihe von Übergangsformen. Dieser Glockentyp zeichnet sich durch einen helleren, freundlicheren Klang aus. Als Beispiel möchte ich Ihnen die Zuckerhutglocke von Herrenberg, Armsünderglocke genannt vorführen. Die sogenannte gotische Glocke, so wie wir sie heute kennen, setzte sich im 14. Jahrhundert gegenüber dem Zuckerhut und anderen Übergangsformen durch. Das 15. und das 16. Jahrhundert waren die Hochzeit der Glockengießkunst im Mittelalter. Als Beispiel möchte ich Ihnen die Betglocke der Tübinger Stiftskirche aus dem Jahre 1448 vorstellen. Dem Wunsch der Kirchen nach größeren und klanglich herausragenden Glocken folgend, entstehen erstmals zusammenhängende Geläute. Der Versuch Glocken klanglich auf einander abzustimmen nimmt im 15. Jahrhundert erstmals Gestalt an. Leider ist in unserer Gegend aus dieser Zeit kein vollständiges Geläute auf uns gekommen. Dagegen sind Geläute, die über Jahrhunderte hinweg von verschiedenen Gießern ohne Rücksicht auf die Schlagtonlinie gefertigt wurden erhalten geblieben. Als Beispiel möchte ich Ihnen das Geläute der katholischen Pfarrkirche in Altingen vorführen.

Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts ging es mit der musikalischen Qualität bergab. Es war eine Zeit, in der ein gewisser Sättigungsgrad erreicht war. Die meisten Kirchen waren mit Glocken ausreichend versorgt, es wurden kaum noch neue gebraucht, so dass die Aufträge stark zurückgingen. Einen vorübergehenden, aber tiefen Einschnitt in ein jahrhundertealtes Handwerk brachte der Dreißigjährige Krieg. Zahlreiche Glocken wurden zu Kanonen umgegossen, Kirchen wurden zerstört. Seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts herrschte aufgrund der zahlreichen Verluste im Dreißigjährigen Krieg zum ersten Mal wieder eine rege Nachfrage nach neuen Glocken. Der große Bedarf wurde vor allem durch lothringische Wandergießer gedeckt, die schon seit dem 15. Jahrhundert hin und wieder nach Württemberg gekommen waren und sich nun zu einer ernsthaften Konkurrenz für die einheimischen Gießer entwickelten. Ganze Geläute und Ersatz für alte Glocken gossen sie auch für den Landkreis Tübingen. Hier muß vor allem die lothringische Wandergießerfamilie Rosier erwähnt werden, die sich seit etwa 1650 in Rottenburg niedergelassen hatte. Die meisten Glocken dieser Zeit erreichen jedoch kaum die Qualität mittelalterlicher Glocken, wie man am Beispiel der Kienlin-Glocke der Tübinger Stiftskirche, benannt nach dem damaligen Bürgermeister von Tübingen, hören kann. Erst im 19. Jahrhundert begann man an, sich auf das mittelalterliche “Glockenideal” zurückzubesinnen. Viele Gießer versuchten, nach mittelalterlichen Vorbildern, neue Glocken und Geläute zu fertigen. Das Niveau des Spätmittelalters wurde jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erreicht.

Eine völlig neue Variante von Glocken kam gegen Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Bis zum Beginn der Industrialisierung waren Kirchenglocken durchweg aus Bronze gegossen worden. Der Schub der Moderne brachte es mit sich, dass manche Firmen erstmals mit neuen Materialien zu experimentieren begannen. Um 1850 wurde in Bochum in der Gussstahlfabrik Mayer & Kühne, seit 1854 “Bochumer Verein für Gussstahlproduktion”, die erste Stahlglocke der Welt gegossen. Bis zur Schließung der Glockenabteilung um 1969 entwickelte sich die Stahlglocke zur ernsthaftesten Konkurrentin der Bronzeglocke. Andere Unternehmen machten sich die Notzeit nach den beiden Weltkriegen zu Nütze. Hersteller von Kirchturmuhren wie J.F. Weule in Bockenem am Harz produzierten seit dem Ende des Ersten Weltkriegs erstmals in großem Stil sogenannte “Eisenhartgussglocken” für den Läutebetrieb.

Bislang waren solche Glocken als Schlagglocken für Turmuhren benutzt worden. Bei der Anschaffung spielte natürlich für die Kirchengemeinden auch die Kostenfrage eine große Rolle. Eisen- oder Stahlglocken waren nach den beiden Weltkriegen einfacher und billiger zu haben als teuere Bronzeglocken. Die klangliche Qualität von Eisen- und Stahlglocken hinkt jedoch in der Regel weit hinter Bronzeglocken her, wie am Beispiel des Eisenhartgussgeläutes von Landstuhl in der Pfalz deutlich zu hören ist.

Nach diesem kurzen Einstieg in die Geschichte der Glocke möchte ich nun auf die Geschichte der Dorfkirchen auf den Härten eingehen.

Beginnen möchte ich mit der Kusterdinger Marienkirche.

Die Anfänge der Pfarrkirche Kusterdingen reichen bis ins 12./ 13. Jahrhundert zurück. Die heutige Sakristei war wohl ursprünglich eine dem Hl. Michael geweihte Kapelle der niederadligen Herren von Kusterdingen, an die vermutlich 1506 / 07 die heutige Marienkirche angebaut wurde. Eine Pfarrei ist erstmals urkundlich im Jahre 1275 nachweisbar. Der Turm, ehemals Wehrturm der Schlossburg, ruht wohl in den zwei untersten Stockwerken noch auf römischen Fundamenten.

Über die ersten Glocken der Marienkirche ist mir bislang nichts Näheres bekannt. Das Geläute bestand wohl spätestens seit 1507 aus drei Glocken, wie dies noch bis 1955 der Fall war. Nach meinen Forschungsergebnissen hingen im 18. Jahrhundert folgende Glocken im Turm: Die große Glocke stammte von 1724, gegossen von dem aus Ungarn stammenden Wandergießer Christian Ginther. Möglicherweise Ersatz für eine im Dreißigjährigen Krieg eingeschmolzene Glocke. Die mittlere Glocke war vermutlich die älteste. Sie war ein Werk des seinerzeit bekannten Glockengießers Hans Eger in Reutlingen und stammte aus dem 15.Jahrhundert. Sie ist daher mit Sicherheit 1507 im Zuge der Bauarbeiten von der ehemaligen Michaelskapelle übernommen worden. Über das Alter der kleinen Glocke ist nichts überliefert. Es bleibt offen, ob sie nach dem Dreißigjährigen Krieg neu angeschafft wurde oder vielleicht noch aus dem Mittelalter stammte. Die ältesten mir bekannten Quellen, die über die alten Glocken berichten, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Im Jahre 1773 ist vom Absturz der großen Glocke die Rede, wobei das Zeigerwerk zerstört wurde, die Glocke jedoch anscheinend keinen ernsthaften Schaden nahm. Sieben Jahre später bestand erneut Absturzgefahr, diesmal auch bei der mittleren Glocke. Deshalb erfolgte 1802 provisorisch die Umhängung aller drei Glocken. Im Jahre 1807 wurde der alte Glockenstuhl abgebrochen und durch eine neue Holzkonstruktion ersetzt. Als die kleine Glocke 1849 zersprang, wurde sie in der Glockengießerei Christian Adam Kurtz & Sohn in Reutlingen neu gegossen. Im Jahre 1868 wurde auch die große Glocke von 1724 in derselben Gießerei umgegossen. Seit 1878 wird in Kusterdingen der Sonntag eingeläutet. Im Jahre 1898 zersprang die kleine Glocke erneut; der Neuguss erfolgte bei Heinrich Kurtz in Stuttgart. Im Ersten Weltkrieg wurden die drei Glocken 1917 gewertet und zwei von ihnen, die kleine und die mittlere, zu Kriegszwecken abgeliefert. Vor dem Abtransport wurde die mittlere Glocke fotografiert.

Im Jahre 1922 erhielt die große Glocke zwei neue Schwestern von Heinrich Kurtz in Stuttgart. Im Zweiten Weltkrieg wurden die große und die mittlere Glocke abgenommen. Im Jahre 1950 erhielt die Gießerei Grüninger in Straß bei Neu-Ulm den Auftrag, drei neue Glocken zu gießen. Die kleine Glocke von 1922 sollte in das neue Geläute einbezogen werden, passte jedoch klanglich nicht dazu, so dass sie 1955 bei Heinrich Kurtz in Stuttgart umgegossen wurde. Damals wurde im Zusammenhang mit der Geläuteerweiterung auch die Neukonstruktion des Glockenstuhls fällig. Der alte Holzstuhl wurde entfernt. An seine Stelle trat ein, damals als modern geltender, für vier Glocken konzipierter schmiedeeiserner Stuhl.

Die vier Glocken tragen die Namen Bet-, Gefallenen-, Jugend-, und Taufglocke, die Schlagtöne sind fis´, a´, h´, cis´´.

Die Inschriften, von der kleinsten zur größten Glocke, lauten:

Taufglocke: ICH HABE DICH BEI DEINEM NAMEN GERUFEN DU BIST MEIN. Auf der Flanke: Taube, Kreuz über Wasser mit Fisch, Am Schlag: Gießerzeichen und KUSTERDINGEN 1955

Jugendglocke: HERR BLEIBE BEI UNS. Am Schlag: GRÜNINGER 1950.

Gefallenenglocke: UNSEREN GEFALLENEN – FRIEDEN SEI MIT EUCH!, Am Schlag: GRÜNINGER 1950.

Betglocke: HERR BLEIBE BEI UNS!, Am Schlag: GRÜNINGER 1950.

Nach Ansicht von Glockensachverständigen zählt das neue Geläute zu den schönsten im Landkreis Tübingen.

Ich komme nun auf Mähringen, der Mutterpfarrei aller anderen Kirchen auf den Härten zu sprechen.

Die unter Denkmalschutz stehende Pfarrkirche wird 1450 erstmals urkundlich erwähnt. Das Kirchenschiff wurde 1530 erweitert, woran noch heute die Jahreszahl über dem Eingangsportal erinnert. Die Rundbogenfenster im Langhaus wurden vermutlich erst Ende des 18. Jahrhunderts hineingebrochen. Eine erste Renovierung fand 1883 statt. Seit alters her war die Pfarrkirche die Mutterpfarrei von Immenhausen, Jettenburg und Wankheim, von der aus diese Filialkirchen betreut wurden. Man darf wohl davon ausgehen, dass die Pfarrkirche in Mähringen, wie Kusterdingen, seit jeher drei Glocken besessen hat. Aus der Erbauungszeit des Turmes ist eine bis heute erhalten, von einem unbekannten Meister in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegossen.

Im 15. Jahrhundert fügte der schon erwähnte Hans Eger aus Reutlingen eine zweite Glocke hinzu. Vielleicht handelt es sich hier um einen Neuguß nach der Fehde des Hans v. Rechberg mit den schwäbischen Reichsstädten (vor 1455), in deren Folge der Ort stark gebrandschatzt worden war. Die Kiesersche Forstkarte zeigt, dass der Turm bereits um 1680 einen Dachreiter besaß, der wohl schon damals eine Glocke getragen hat. Das älteste bis jetzt nachweisbare Dachreiterglöckchen stammt indessen von 1834. Gegossen wurde es bei Christian Adam Kurtz & Sohn in Reutlingen. Das Geläute blieb über Jahrhunderte hinweg fast unangetastet. Auch von der Ablieferung im Ersten Weltkrieg blieb Mähringen verschont. Erst 1942 wurde die kleine Glocke im Dachreiter abgenommen und abgeliefert. Wie in Kusterdingen entschloss man sich nach 1945 zur Erweiterung des Geläutes auf vier Glocken. Im Jahre 1956 wurde die Gießerei Bachert in Kochendorf mit dem Guss zwei neuer Glocken beauftragt. Die kleine Glocke für den Dachreiter gelang auf Anhieb in der gewünschten Tonlage, die große Glocke hingegen war innenharmonisch zu missraten, so dass sie 1958 abgenommen und nach Grafenberg (Lkr. Reutlingen) verkauft wurde. Ein zweiter Guss im Dezember 1957 missriet ebenfalls, erst der dritte Guss von 1958 ergab den gewünschten Ton. Seither erklingen vom Turm den Stephanuskirche vier Glocken in den Tönen b´, c´´, des´´ und es´´.

Die Inschriften von der kleinsten zur größten Glocke lauten:

Glocke IV (im Dachreiter): WACH AUF WACH AUF DU DEUTSCHES LAND!

Glocke III: Christus) S LVCAS (Muttergottes) S MARC(V)S (Christus) S MATHEVS (Muttergottes) S (I)OHANNES.

Glocke II: lvcas macvs mathevs iohannes (als Worttrennungszeichen Tatzenkreuze)

Glocke I: DES HERRN WORT BLEIBT IN EWIGKEIT.

Immenhausen

Die im spätgotischen Stil erbaute, dem Hl. Georg geweihte Kapelle wird 1508 erstmals erwähnt. Die starken Mauern des hohen, spitzen Torbogens im Innern der Kirche und der im Osten befindliche Turm lassen vermuten, dass hier ursprünglich ein Ostchorturm aus der Zeit um 1300 gestanden haben könnte. Im Gegensatz zu den großen Pfarrkirchen in Kusterdingen und Mähringen besaß die Dorfkirche bis ins 19. Jahrhundert nur zwei Glocken. Möglicherweise stammte das bis 1917 nachweisbare “Schulglöckle”, von dem ich bisher leider keine Photographie auffinden konnte, noch aus der Erbauungszeit der Kirche. Wohl in Zusammenhang mit der barocken Erneuerung der Kirche im Jahre 1687 ist der Guss einer Glocke zu bringen, die vom lothringischen Wandergießer Johannes Rosier (II) gegossen wurde. Im Jahre 1864 wurde das Geläute um eine dritte Glocke von Kurtz in Reutlingen erweitert. Im Jahre 1880 zersprang die Glocke von Johannes Rosier. Ihr Neuguss erfolgte ebenfalls in Reutlingen.

Im Ersten Weltkrieg musste die Gemeinde die mittlere Glocke von 1864 und das “Schulglöckle” abliefern. Die große Glocke von 1880 erhielt 1921 zwei neue Schwestern von Heinrich Kurtz in Stuttgart. Im Zweiten Weltkrieg wurden die große und die mittlere Glocke beschlagnahmt. Im Jahre 1950 erfolgte ihr Neuguß bei Bachert in Kochendorf . Die verbliebene kleine Glocke von 1921 wurde, um eine gute Tonlinie zu erzielen, 1959 von Heinrich Kurtz in Stuttgart umgegossen. Da der Turm nach Aussage des Glockengießers der Beanspruchung durch die drei Glocken nicht gewachsen war, wurde 1959 parallel zum Umguß der kleinen Glocke die komplette Neukonstruktion des Glockenstuhls durchgeführt. Dabei wurde der alte Holzstuhl vollständig entfernt und durch eine neue Stahlkonstruktion ersetzt, wobei zusätzlich, um die Belastung zu mindern, auf eine gekröpfte Aufhängung aller drei Glocken zurückgegriffen wurde, die zu empfindlichen Klangeinbußen bei den drei Glocken führt. Seit 1959 erklingt es vom Turm der Georgskirche in den Tönen h´, d´´ und e´´.

Jettenburg

Über die Geschichte der kleinen mehrmals umgebauten, unter Denkmalschutz stehenden Kirche ist wenig bekannt. Der Wartturm der Burg der freien Herren von Jettenburg wurde wohl spätestens seit dem 15. Jahrhundert als Kirchturm benutzt. Der heutige Turm geht auf diesen zurück. Eine dem Hl. Ulrich und dem Hl. Pankratz geweihte Kapelle wird 1324 erstmalig erwähnt. Heute weist die Kirche Züge der Renaissance auf. Aus dieser Zeit stammt auch das Portal an der Sakristei, an dem die Jahreszahl 1616 zu lesen ist. Auch die Jettenburger Dorfkirche besaß vermutlich seit dem Mittelalter zwei Glocken, von denen wohl eine bis ins 19. Jahrhundert erhalten war. In der Oberamtsbeschreibung Tübingen von 1867 wird eine alte Glocke mit “unleserlicher Inschrift in gotischen Minuskeln” erwähnt. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei um eine Glocke der Reutlinger Gießhütte Eger gehandelt hat.

Die zweite Glocke stammte von 1827, gegossen von Christian Gottlieb Neubert in Ludwigsburg. Das diese Glocke eine Vorgängerin hatte, darf angenommen werden, auch wenn über sie bis jetzt nichts näheres bekannt ist. Die Neubert-Glocke zersprang 1872 und wurde von Gottlob Kurtz in Reutlingen umgegossen. Dreißig Jahre später ereilte die kleinere Glocke bei Heinrich Kurtz in Stuttgart dasselbe Schicksal. Im Ersten Weltkrieg wurde die jüngere Glocke von 1902 abgeliefert. Im Jahre 1921 wurde sie von Kurtz in Stuttgart ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wanderte die große Glocke von 1872 in den Schmelzofen.

Im Jahre 1950 wurde der alte Glockenstuhl entfernt und durch einen neuen hölzernen für drei Glocken ersetzt. Im selben Jahr erfolgte der Guß zwei neuer Glocken bei Bachert in Kochendorf. Seitdem erklingen in Jettenburg, wie in Immenhausen, vom Turm der Dorfkirche drei Glocken in den Tönen h´, d´´ und e´´.

Die Inschriften von der kleinsten zur größten Glocke lauten:

Glocke III: Am Schlag: JETTENBURG 1921., Auf der Flanke: Heiligenfigur.

Glocke II: Am Schlag: GESTIFTET VON WILHELM BAUER 1950, Gießerzeichen/ WACHET UND BETET.

Glocke III: Am Schlag: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE. Gießerzeichen und GEMEINDE JETTENBURG 1950.

Seit 1999 läutet auf dem Friedhof am Hummelberg die jüngste Glocke auf den Härten. Bis dahin waren stets die drei Glocken der Dorfkirche als Trauergeläut benutzt worden. Seit November 1999 verfügt nun die Gemeinde über eine eigene Toten- bzw. Sterbeglocke mit dem Schlagton a´´. Sie trägt die Inschrift: FRIEDEN DEN LEBENDEN UND DEN TOTEN. Gegossen wurde sie bei Albert Bachert in Heilbronn.

Wankheim

Zum Abschluß meines Themas Geschichte der Kirchenglocken auf den Härten komme ich nun noch kurz auf Wankheim zu sprechen.

Die Anfänge der heutigen Pfarrkirche liegen im Dunkeln. Vermutlich stand an ihrer Stelle schon im 15. Jahrhundert eine Steinkirche über die nichts näheres bekannt ist. Der gotische Chor wurde 1489 bis 1497 durch den Baumeister Clas Binder errichtet. Bauherren waren Georg v. Ehingen und seine Frau, deren Wappen noch heute im Schlussstein des Chorgewölbes zu sehen ist.

Nach dem schweren Kirchenbrand von 1781 wurde das Kirchenschiff neu und größer errichtet, der Turm erhielt seine barocke Haube. Umfassende Renovierungsarbeiten fanden 1899, 1954-56 und 1997 statt. Nähere Informationen zur Geschichte der Wankheimer Kirchenglocken finden sich erst im 19. Jahrhundert. Die alten Glocken waren wohl beim Kirchenbrand 1781 zerstört worden. Erst im Jahre 1828 goss Franz Kurtz in Reutlingen eine erste neue Glocke. Sie wurde 1860 von derselben Gießerei um eine weitere Schwester ergänzt. Die kleinere Glocke wurde im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen.

Im Jahre 1921 wurde der Ersatz von Heinrich Kurtz in Stuttgart geliefert. Der Zweite Weltkrieg forderte beide Glocken ab. Im Jahre 1950 wurde bei Heinrich Kurtz in Stuttgart ein neues dreistimmiges Geläute in Auftrag gegeben, das bis heute in Tönen b´, des´ und es´´ über dem Ort erklingt.


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